Erster Weltkrieg

Projekt Erster Weltkrieg
Urkatastrophe Erster Weltkrieg
LK Geschichte 13 auf Spurensuche in Verdun


Auf der Grundlage von Schülerberichten zusammengestellt von Reinhard Neebe


Im August 1914, vor 90 Jahren, begann der Erste Weltkrieg – und mit ihm der Untergang des alten Europa. Im historischen Rückblick erscheint dieser Krieg als die „Urkatastrophe“ des 20 Jahrhunderts – und er stand zugleich am Anfang der Weltkriegsepoche, die erst mit dem Ende des Dritten Reiches 1945 ihren Abschluss fand. Das Interesse des LK Geschichte 13, einen authentischen Eindruck von den Schrecknissen dieser Epoche zu erhalten, konkretisierte sich im September 2004 in einer dreitägigen Exkursion auf die Schlachtfelder von Verdun und zu zentralen Gedenkstätten des Ersten Weltkrieges in Nordfrankreich.

Über Trier und Luxemburg führte uns die Fahrt in die heute so idyllisch wirkende Landschaft der Cotes Lorraine. Aber schon bei der Annäherung an die Höhen von Verdun begegneten uns die Spuren der Vergangenheit: Deutsche und französische Soldatenfriedhöfe, im Krieg zerstörte und nicht wieder aufgebaute Ortschaften (wie Ornes und Fleury) und schließlich durch Granateneinwirkung und Schützengräben zerklüftetes, nach wie vor spärlich bewaldetes Gelände säumte den Weg. Auf der Höhe schließlich das Fort Douaumont: Dies war eine der größten und mächtigsten Anlagen in einer Verteidigungslinie, welche insgesamt 38 Forts und Bauwerke umfasst, die um die Stadt Verdun errichtet wurden (Abb. oben) 1916 fielen täglich bis zu 1400 Granaten auf das Fort nieder. Es bot Platz für 800 Männer, 1916 jedoch lebten manchmal 3000 bis 3500 Soldaten in dem Fort. Während unserer Besichtigung war es in den unterirdischen Gängen nur 7°C warm. Am beeindruckendsten für uns war wohl der so genannte „Deut-sche Friedhof“. Am 8. Mai 1916, das Fort war inzwischen von den Deutschen erobert worden, explodierte ein Granatendepot, welches auch noch ein Flammenwerferdepot entzündete. Insgesamt gab es 800 bis 900 Tote. Man bestattete jedoch nur einen kleinen Teil außerhalb des Forts. Die restlichen Leichen wurden in zwei Kasematten gelegt, welche anschließend zugemauert wurden. An dieser Stelle befindet sich heute eine kleine Erinnerungsstätte mit niedergelegten Kränzen, die an die 679 im Fort bestatteten deutschen Soldaten erinnert.

Kaum 1 Kilometer entfernt das Beinhaus von Verdun (Ossuaire), dessen Turm – in Form einer Granate nachgebildet – die Anhöhe weit-hin beherrscht. Das Mahnmal beherbergt im Inneren die sterblichen Überreste von 130.000 nicht identifizierten französischen und deut-schen Soldaten, die nach dem Krieg auf dem Schlachtfeld geborgen wurden. Hier zeigte sich für uns hautnah die grausame Seite der Schlacht von Verdun. Wir sahen nun keine, in schöner Landschaft angelegte Ehrenmäler, sondern die nackten Gebeine, zersplitterte Knochen oder auch geborstene Schädel der gefallenen Soldaten. Auf dem französischen Friedhof vor dem Beinhaus befinden sich Gräber mit 15000 identifizierten französischen Gefallenen. Die Form der Grabsteine unterscheidet sich nach christlichen, muslimischen und jüdischen Gefallenen. Es war für alle beeindruckend den Blick über die unzähligen Kreuze schweifen zu lassen, mit der Erkenntnis auf jedem Grab ein Kreuz, mit Namen, Geburts- und Todestag des Soldaten zu finden. Eine auf einem Sockel eingelassene Plakette erinnerte an die Versöhnungsgeste zwischen dem französischen Staatspräsidenten Mitterand und dem deutschen Bundeskanzler Kohl am 22. September 1984.

Unterkunft fanden wir in der Auberge de Jeunesse von Verdun, die als Teil des „Centre Mondial de la Paix“ in dem ehemaligen Bi-schofspalast neben der mittelalterlichen Kathedale eingerichtet ist. Von hier aus hatten wir einen weiten Ausblick über die darunter gelegene Altstadt am Maas-Ufer sowie die im Ersten Weltkrieg so umkämpften Höhen jenseits des Tales.

Der zweite Tag unseres Aufenthaltes galt den Schlachtfeldern im Argonner Wald am linken Maas-Ufer, der „Höhe 304“ und dem „Toten Mann“, sowie insbesondere dem amerikanischen Ehrenmal in Montfaucon bzw. dem amerikanischen Soldatenfriedhof „Meuse-Argonne American Cemetery“: Dieser Militärfriedhof ist der größte amerikanische Solda-tenfriedhof in Europa, hier sind ca. 15.000 amerikanische Soldaten beerdigt, die alle in den letzten sechseinhalb Wochen des Krieges, vom 26. September bis zum 10. November 1918, den Tod fanden. Auf dem Soldatenfriedhof trafen wir auf hochrangigen politischen Besuch aus den USA: Von Alan K. Simpson, einem sehr freundlichen älteren Herren, erfuhren wir, dass er 18 Jahre (1978-1996) Senator des US-Bundesstaats Wyoming gewesen war. Heute ist er eines von 10 Mitgliedern der „American Battle Monuments Commission“. Er wurde von einem Offizier auf dem Friedhof herumgeführt und als wir beide trafen, standen sie gerade vor einem ganz besonderen Grabstein: Wie wir dann erfuhren, war dieses Grab von Freddie Stowers aus South Carolina das des einzigen schwarzen Soldaten, der im 1. Weltkrieg die höchste amerikanische Militärauszeichnung, die „Medal of Honor“, verliehen bekam. Alan K. Simpson führte uns vor Augen, dass fast alle amerikanischen Soldaten auf diesem Friedhof in etwa in unserem Alter waren, als sie starben.

Der letzte Morgen begann mit einem interes-santen Vortrag von Johannes, einem deutschen Zivildienstleistenden, über die Entste-hung des ARD-Dokumentarfilms die „Hölle von Verdun“ (2004), an dem er aktiv mitgewirkt hatte und – dank seiner guten Sprachkenntnisse – bei der Befragung der letzten Zeitzeugen eingesetzt war. Ein letzter Abstecher am Abfahrtstage führte uns zur „Voie sacré“, der sogenannten „Heiligen Straße“ von Bar le Duc nach Verdun, über die die Franzosen im Ersten Weltkrieg den lebensnotwendi-gen Nachschub sichern konnten und deren Kilometersteine heute mit französischen Stahlhelmen versehen sind.

Das Resümee einer Teilnehmerin: „Das Verdun-Projekt hat mich persönlich der The-matik des 1. Weltkrieges näher gebracht. Vor-her habe ich kaum eine Vorstellung über das Grauen gehabt, welches 1916 in Verdun über so viele Menschen hereinbrach. Besonders berührt hat mich, dass das Durchschnittsalter der dort gefallenen und zum Einsatz gekom-menen Soldaten 18 Jahre war – also genau in unserem Alter. Insgesamt finde ich hat sich diese Fahrt sehr gelohnt. Wir haben nun von diesem wichtigen geschichtlichen Ereignis eine viel bessere Vorstellung als sie einem im normalen Unterricht vermittelt werden könnte.“ (Sarah A.)

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