Politisches Forum

Es ist guter Brauch geworden, möglichst regelmäßig die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zu einem POLITISCHEN FORUM zusammenzuführen, in dem aktuelle oder auch längerfristig bedeutsame Probleme der Politik erörtert werden, intensiver als es im Unterricht oft möglich ist, und vor allem mit Referenten, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit in besonderer Weise sachkundig sind. In den zurückliegenden Jahren wurde so die Möglichkeit geboten, über Umweltprobleme wie Klimakatastrophe und Ozonloch zu sprechen, über aktuelle Fragen der Europa- und Wirtschaftspolitik – und viele andere Fragen mehr.


Podiumsdiskussion zu den Europawahlen (2014)


2014: 100 Jahre Erster Weltkrieg, WM in Brasilien, Landesgartenschau in Gießen, aber eben auch Europaparlamentswahlen. Zu diesem Thema gab es am Montag, den 12.05.2014, im Kultidrom des Gymnasium Philippinum eine von den Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Politik und Wirtschaft (Q2/Maier) organisierte Podiumsdiskussion, bei der jeweils ein Vertreter der Linken, der SPD, der Grünen, der FDP, der CDU und der AfD anwesend waren. Eingeladen war die gesamte Q-2 und somit zahlreiche Erstwählerinnen und Erstwähler.

Zu Beginn der Diskussion stellten die Vertreter innerhalb von jeweils fünf Minuten sich und die Interessen ihrer Partei in Bezug auf Europa vor.

Den Anfang machte Janis Ehling als Vertreter von Die Linke. Er führte an, dass die Eurokrise noch nicht vorbei sei, und dass das Sparprogramm, welches die EU gestartet habe, gescheitert sei, da die Verschuldung der Länder angestiegen sei.

In Bezug auf Griechenland erläuterte er, dass das Sozialsystem zerschlagen worden sei und man statt eines Sparprogrammes ein Investitionsprogramm starten solle. Dies sei die Lösung aus der Krise. Des Weiteren hätte man nicht die Banken retten dürfen, sondern die Menschen.

Danach stellte sich Hanke Bokelmann vor, Vertreter der FDP. Dieser erklärte zunächst, dass seine Partei liberal sei und, anders als man häufig höre, die Wirtschaft nicht an oberster Stelle ihrer Agenda stehe. Es sei vielmehr der Kerngedanke der FDP zu beachten, der besage, dass man dem Einzelnen mehr zutraue als der Gemeinschaft. Als Beispiel für das Versagen staatlichen Eingriffs führte er das EEG an. Nun war die Vertreterin der CDU, Maria-Christine Rost, an der Reihe sich vorzustellen. Die Zielvorstellung der CDU sei es, ein Europa der Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Darüber hinaus bedeute Europa Wohlstand und Sicherheit. Des Weiteren forderte sie einen einheitlichen Strafenkatalog, der mit Blick auf den Haushalt der Staaten nachdrücklicher als bisher einzuhalten sei. Jeder Staat habe seine Einnahmen sowie seine Ausgaben stärker zu kontrollieren. Eine Erweiterung der EU in der kommenden Legislaturperiode schließe die CDU aus.

Martin Bergmann, Vertreter von Bündnis 90 / Die Grünen, war nun an der Reihe, etwas über die Interessen seiner Partei zu erzählen. Die Grünen fordern, dass man Europa für Flüchtlinge öffnen müsse, man solle bereits dann Asyl erhalten können, wenn man sich physisch noch vor den Grenzen Europas befinde.

Außerdem sei er strikt gegen Lobbypolitik, da diese das Weiterkommen, beispielsweise in der Energiewende, verhindere. Außerdem lehnte er das Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) mit den USA ab, da dieses deutsche Standards unterlaufen würde.

Die Vertreterin der SPD, Anna-Maria Rembas, kritisierte, was momentan in der Ukraine passiere, wo Europa keine rühmlich Rolle spiele. Gleiches gelte für die Eurokrise, denn Ziel der SPD sei ein Europa für die Menschen und nicht für die Banken. Ein weiteres großes Ziel sei es, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, vor allem in den PIIGS- Ländern, dazu gehören Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien. Die SPD hingegen sei nicht grundsätzlich gegen das Freihandelsabkommen mit den USA.

Als letztes war Hadi Riedel, Vertreter der AfD an der Reihe. Dieser erklärte zunächst, wie die Alternative für Deutschland, kurz AfD, zustande gekommen sei. Die etablierten Parteien seien für ihn und viele andere Mitglieder der AfD nicht zufriedenstellend gewesen, da sie beispielsweise Wahlversprechen nicht eingehalten hätten, woraufhin sich die AfD als Alternative gegründet habe. Des Weiteren erklärte er, dass man sich über die öffentlich-rechtlichen Medien nicht informieren solle, stattdessen solle man Internetforen nutzen, um sich eine Meinung zu bilden. Außerdem gab er an, dass das Friedensprojekt der EU scheitern würde, nannte dafür jedoch keine Gründe.

Nachdem sich nun alle Parteien vorgestellt hatten, wurde die erste Frage gestellt: „Soll Griechenland aus dem Euro austreten und die alte Währung, die Drachme, wieder einführen?“ Die Antwort durch die SPD war, dass Griechenland nicht ausgeschlossen werden dürfe, da man sich in einer Solidarunion befinde. Für die FDP sei diese Idee gut, aber nicht umsetzbar. Die AfD betonte, dass es legal sein solle, dass ein Land aus dem Euro austreten könne. Die Szenarien, was passieren könne, wenn Griechenland aus dem Euro austrete, könne man nicht absehen. Zum Thema Eurobonds begann die CDU ihren Standpunkt zu erklären. Die CDU sei gegen Eurobonds. Sinnvoller sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben oder es mit Reformdruck zu versuchen. Als Beispiel fügte die Vertreterin an, dass man Griechenland hätte unter Druck setzten sollen, ihr Verwaltungssystem zu überprüfen. In Griechenlands Verwaltung wurden teilweise Personen geführt, denen man Sozialleistungen überwiesen habe, obwohl sie bereits tot gewesen seien. Diese Leistungen wurden dann unrechtmäßig von den Hinterbliebenen eingestrichen. Ohne Druck würde sich an solchen Verhältnissen nichts ändern.

Die Grünen seien für Eurobonds, da man zusammenstehen müsse, auch auf Grund der einheitlichen Währung. Schließlich könne man nicht einfach jemanden fallen lassen.

Die FDP und die AfD sprachen sich gegen Eurobonds aus. In der dritten Frage ging es um die potentielle Einführung einer „Europasteuer“. Die Linke und die SPD sprachen sich für eine Reichensteuer, beziehungsweise eine Finanztransaktionssteuer aus und gegen eine einheitliche Mehrwertsteuer für alle Menschen in der EU. Die Grünen befürworteten eine solche Steuer. FDP, CDU und AfD sprachen sich dagegen aus.

Die vierte und letzte Frage der Moderatoren bezog sich auf das geplante Freihandelsabkommen zwischen Deutschland und den USA. Die Grünen sprachen sich gegen ein solches Abkommen aus, da der Investorenschutz nicht gewährleistet sei und es mit den USA generell schwierig sei sich zu einigen, auf Grund zu hoher Unterschiede in den Standards. Die Vertreterin der SPD steht dem Abkommen ebenfalls eher negativ gegenüber, da sie ein Verbraucherschutzproblem fürchtet, auch auf Grund der fehlenden europäischen Standards, beispielsweise bei der Hühnerzucht. Außerdem sei die fehlende Transparenz bei den Verhandlungen ein Problem.

Die CDU sprach sich für ein solches Abkommen aus, da es den Markt erweitern würde und die Staaten voneinander lernen und profitieren könnten. Die fehlende Transparenz in den Verhandlungen bezeichnete die Vertreterin der CDU als unglücklich.

In den letzten 15 Minuten durften die anwesenden Schülerinnen und Schüler Fragen stellen. Diese waren vorwiegend an die AfD gerichtet. Unter anderem ging es um ihren Wahlspruch „Wir sind nicht das Weltsozialamt“, welcher dem von der NPD „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt“ stark ähnelt. Darauf angesprochen verwies der Vertreter darauf, dass sich die AfD in einer Phase der Strukturierung befinde und es eben auch solche Mitglieder gebe, welche Plakate mit diesem Wahlspruch aufhängen. Man versuche, diese Mitglieder aus der Partei auszuschließen. Außerdem distanzierte sich der Vertreter klar und deutlich von solchen Aussagen.

Auf die Frage des Vertreters der Linken, wie es denn sein könne, dass AfD-Mitglieder in Sachsen gegen Muslime protestieren, verwies der Vertreter, dass er davon nichts wisse und Sachsen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich falle.

Auf die direkte Frage, wie die AfD die Interessen der Wählerinnen und Wähler vertreten wolle, wenn die Partei selbst noch nicht strukturiert sei, berief sich der Vertreter auf das junge Bestehen der Partei und verwies darauf, dass man an der Strukturierung arbeite. Eine Frage richtete sich auch an die FDP und zwar, wie sich die FDP ein Europa der Vereinigten Staaten vorstelle, was ein langfristiges Ziel der Partei sei, wie es ihr Vertreter mehrfach betonte. Aber die Antwort war ernüchternd, da der Vertreter selbst noch keine Idee davon hat, wie dieses Europa eventuell aussehen könnte.

Die Podiumsdiskussion war gut organisiert und wurde von den Moderatoren sinnvoll gestaltet. Allerdings war die Zeit von ca. 1,5 Stunden zu knapp bemessen. Außerdem waren die Vertreterinnen der SPD und CDU im Vergleich zu den anderen Vertretern nicht immer zufriedenstellend informiert. Jedoch waren alle stets bereit, so gut es ging zu antworten. Da es keine Berufspolitiker waren, sollte man ihnen somit einzelne Argumentationsschwächen ein wenig nachsehen.

M. Stürzl


Ein Blick über den Tellerrand hinaus (2013)

DGB-Organisationssekretär Dr. Ulf Immelt zur Bedeutung der Gewerkschaften in Europa.


von Markus Bengelsdorff (Q2)


„Welchen Stellenwert haben Gewerkschaften in Europa und in welchem Verhältnis stehen sie zur aktuellen Krise in Europa?“ – Unter diesen Leitfragen stand die Veranstaltung im Rahmen des „politischen Forums“, die am „Europatag“, dem 08.05.2013, im Gymnasium Philippinum Marburg stattfand.

Dr. Ulf Immelt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Mittelhessen referierte vor politik-interessierten Schülern der Q2-Phase. Ihnen gegenüber erörterte er, welche Folgen der massive Sozialabbau in Südeuropa hat und welchen Anteil das Vorgehen Deutschlands daran ausmacht. So verwies er darauf, dass aus kostengründen zahlreiche Schulen in Griechenland geschlossen wurden, was dazu führt, dass viele Schülerinnen und Schülern nicht mehr in die Schule gehen, da die Familien die Transportkosten nicht mehr tragen können. Letztlich sei dadurch die Zukunft einer ganzen Schülergeneration bedroht. Außerdem wurden die Probleme vor Ort in Deutschland analysiert und das Vorgehen der Gewerkschaften beschrieben. Des Weiteren erklärte Dr. Immelt, wie die Gewerkschaften auch auf internationaler Ebene zusammenarbeiten, um deren Forderungen durchzubringen und Probleme zu lösen.


Nachdem der Referent den Schülern einen Überblick über seine Ansichten und Tätigkeiten gegeben hatte, gab es für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und somit in eine Diskussion mit Dr. Immelt zu treten. Diese Möglichkeit wurde dankend angenommen und dem Referenten zahlreiche Fragen gestellt. Schließlich konnten die Schüler nicht nur interessante Denkanstöße, sondern auch feste Thesen mitnehmen, die im Unterricht ausgewertet und kritisch beleuchtet wurden.


Schlussendlich bedankte man sich von Seiten der Schule mit einem kleinen Präsent und wünschte Dr. Immelt weiterhin viel Erfolg bei der gewerkschaftlichen Arbeit.

Dr. Ulf Immelt


Schuldenbremse in Hessen – Ja oder Nein? (2011)

Der hessische Finanzminister stand der Jahrgangsstufe 12 Rede und Antwort.


von Sarah Zitterbarth


Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich viele Schüler der 12. Klasse des Gymnasium Philippinum bei ihrer ersten Kommunalwahl Ende März und auch darüber hinaus im Politik- und Wirtschafts- Unterricht.


Anlässlich der Aktualität des Themas Schuldenbremse und im Allgemeineren der Staatsverschuldung lud das Gymnasium Philippinum den hessischen Finanzminister Herrn Dr. Thomas Schäfer zu einer Frage- und Diskussionsrunde ein.

Moderiert wurden die zwei zur Verfügung stehenden Schulstunden von vier Schülern der beiden Politik- und- Wirtschaft- Leistungskurse- von Karolina Kubusch, Sophia Nau, Sven Duttmann und Victor Gojdka.

Sie führten durch die Themen Staatsverschuldung, Bildungsfinanzierung und Kommunalwahlergebnisse.

Nach einer kurzen biographischen Einleitung durch Sven Duttmann – Herr Dr. Thomas Schäfer, Mitglied der CDU, studierte Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und wurde, nachdem er einige Jahre als Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Justiz und der Finanzen gearbeitet hatte, 2010 hessischer Finanzminister – stellte Karolina Kubusch die einleitende Frage, warum es denn überhaupt eine eigene Schuldenbremse für Hessen geben solle, wenn der Bund bereits eine beschlossen habe.

Herr Dr. Schäfer erklärte, dass den Bundesländern durch den Beschluss des Bundes ab 2020 eine absolute Schuldenbremse auferlegt würde, Hessen aber bis dahin durch eigene Regelungen, seine Schuld- und Zinslast verringern könne, um in knapp 10 Jahren kaum mehr Schulden zu haben. Auf die Frage, wie ein solch ausgeglichenes Schuldenniveau ohne Steuererhöhungen und ohne Kürzungen im Sozialen und in der Bildung erreicht werden solle, antwortete er, dass es wichtig sei zu lernen, sich auf das Notwendigste zu beschränken, aber auch einige Ausgaben zu kürzen. Steuersätze dürften jedoch nicht verhältnismäßig höher sein als im Ausland, um Abwanderungen nicht zu begünstigen. Bildung nannte Schäfer als eine der wichtigsten Ressourcen, in welche auch in den kommenden Jahren weiter investiert werden müsse. Ab 2012 würden jedoch Sparmaßnahmen für soziale Bereiche ins Auge gefasst.

Bremsen und Sparen müssten auch deshalb so stark betont werden, damit wir später unseren Wohlstand aufrecht erhalten und das Problem der Rentenfinanzierung in den Griff bekommen könnten.

In der darauffolgenden Fragerunde blieben Beispiele für Einsparungen weitgehend ungeklärt, doch Sophia Nau fühlte dem hessischen Finanzminister im zweiten Themenblock bezüglich der Ausgaben und Einsparungen für die Bildung noch einmal auf den Zahn.

Herr Dr. Schäfer legte dar, dass um die 5 Milliarden Euro, zusammengesetzt aus Ausgaben für Personal, Forschungseinrichtungen, BAföG, Hochschulpakt u.a, jährlich für Schulen und Hochschulen ausgegeben würden.

Dem Vorwurf einer schlechten Übersichtlichkeit und wenig Transparenz bei den Bildungsfinanzen für 2011 entgegnete der, dass die Sachverhalte komplex und kompliziert seien. Sicherlich sei aber festzustellen, dass mehr in Personal und kleinere Klassen investiert werden solle als in Bücher und andere Schulmaterialien. Einige der daraufhin empörten Schüler/innen erinnerten ihn daran, dass in Hessen eigentlich Lehrmittelfreiheit gesichert werden müsste.

Ob es wirklich stimme, dass 68 Millionen Euro im nächsten Haushalt für Bildung eingespart werden sollen (so die Frankfurter Rundschau) wollten viele Schüler nun im Folgenden wissen.

Eine rettende Zahlenjonglage gelang dem Finanzminister diesmal nur mühsam, während er ausweichend erklärte, dass diese Zahl wohl den Behauptungen der Opposition entsprungen sei und lediglich einer Zuspitzung der eigentlichen Berechnungen entspräche.

Er bezeichnete sich als Sympathisant der Studiengebühren, als aus dem Publikum gefragt wurde, ob diese nicht ein geeignetes Mittel zur Finanzierung der Hochschulen darstellten, in Hessen müsse man nun aber zwangsläufig nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten.

Zum Ende hin führte Victor Gojdka zum letzten Thema, den Ergebnissen der Kommunalwahlen, über.

Die Verluste der CDU erkläre Herr Dr. Schäfer sich vor allem durch ein ablehnendes Grundgefühl der Bürger gegenüber dem Verhalten der CDU auf Bundesebene in Folge der Krise in Fukushima.

Auf die Frage hin, ob den Kommunen mit ihren Schulden nicht mehr geholfen werden müsse, oder ob sie selber den Rotstift ansetzen sollten, erklärte der Finanzminister, dass die Kommunen kaum eigene Steuerfreiheiten besäßen, aber dass eine interkommunale Zusammenarbeit stärkend wirken könnte und vornehmlich mit den Ausgaben für Sozialleistungen zukünftig zurückhaltender umgegangen werden müsse.

In einer abschließenden Fragerunde stellten die Schüler noch einmal allgemeine Meinungs- und Verständnisfragen an den Finanzminister.

Sowohl informierend als auch Stellung nehmend brachte der hessische Finanzminister Herr. Dr. Schäfer den Oberstufenschülern so in kurzer Zeit seine Sicht auf die Welt der Finanzen und Zahlen und ihre Schattenseite der Schulden näher. Dabei scheuten die Schüler nicht davor zurück auch kritische Fragen zu stellen, denen sich der Finanzminister jedoch offen stellte.


Kann man den Parteien überhaupt noch vertrauen? (2011)

Marburger Jungpolitiker geben Antworten zu aktuellen Fragestellungen


von Christine Kopp / Sarah Zitterbarth


Nach einigen Schulwochen und vielen Unterrichtseinheiten zu Demokratie und zum Parteiensystem Deutschlands, veranstalteten die beiden Leistungskurse Politik- und Wirtschaft der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasium Philippinum eine Podiumsdiskussion mit Marburger Jungpolitikern der verschiedenen Parteien, um Kontakt mit Politikern auch einmal live zu erleben.

Ziel sollte es sein, aus nächster Nähe einen Blick auf die Ansichten und Einstellungen der Jungpolitiker auf kommunaler Ebene zu werfen.

Das Einladen von Politikern, die der gleichen Generation angehören wie die zuhörenden Schüler, sollte außerdem die Identifizierung mit den politischen Inhalten erleichtern.

Stellvertretend anwesend für die jeweiligen Jungparteien waren Hendrik Gesthuysen (Die Linke), Johannes Röder (SPD), Mathias Range (CDU), Stephan Schartner (FDP) und Kai Braunschweiger (Die Grünen).

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von der Schülerin Karolina Kubusch und dem Schüler Victor Gojdka, die Fragen und Diskussionsanregungen für die vier verschiedenen Themen vorbereitet hatten.

Die erste Diskussionsrunde beschäftigte sich mit dem Thema der Politikverdrossenheit, ein Thema, das für die Schüler nicht nur aufgrund des Unterrichtsstoffes, sondern auch für sie als Generation der neuen jungen Wähler unmittelbar aktuell war.

Über die Frage, wie man mit großen Wahlverlusten und unzufriedenen Wählern, die auf der Straße protestieren, umgehen solle, waren sich die Vertreter der SPD, CDU und FDP weitgehen einig und betonten, dass man nicht immer mit allen Zielsetzungen einer Partei einverstanden sein könne und man sich deshalb um Diskussionen und Dialoge bemühen sollte, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auch Proteste von Seiten der Wählerschaft täten der Demokratie dabei manchmal gut, meinte der Vertreter der FDP.

Der Vertreter von Die Linke entgegnete der These des Moderators, Die Linke würde von Wählern aus Protest und nicht wegen ihres Inhaltes gewählt, dass Protest durchaus auch als eine Form von Inhalt angesehen werden könne, wenn die anderen Parteien nicht in der Lage seien, die Interessen der Wähler zufriedenstellend zu vertreten.

Der Vertreter von Die Grünen äußerte, dass er Elemente einer direkten Demokratie als Heilmittel zur Politikverdrossenheit für schwierig halte und führte die Probleme bei den Abstimmungen zur Schulreform in Hamburg auf.

In der darauffolgenden kurzen Diskussion mit den Schülern wurde die Frage behandelt, wie man überhaupt noch darauf vertrauen könne, dass Parteien danach handeln, was sie versprechen.

Am wichtigsten sei es, meinte der Vertreter der CDU daraufhin, dass man einen Konsens vor Augen hätte, dass man sich aber auch darüber im Klaren sein müsse, dass nicht immer alle Ziele erfüllt werden könnten, da Wahlprogramme im Grunde genommen vor allem Maximalforderungen darstellten.

Als Mitglied der Jugendorganisation einer Partei müsse man jedoch auch Fehler der Parteien auf Bundesebene zugeben, fügte der Vertreter von Die Linke hinzu.

Nachdem die erste Runde noch sehr moderat verlaufen war, zeichneten sich beim zweiten Thema `Bildung` die Fronten deutlicher ab.

Über die umstrittene Schulreform G8 wurde heftig diskutiert.

Der Förderung des internationalen Wettbewerbs, deren Wichtigkeit der Vertreter der CDU stark betonte, standen die Forderungen nach Alternativen und einem flexibleren, die Autonomie der Schulen stärkenden Schulkonzept gegenüber.

Auf die kritische Frage eines Schülers, ob es bei der Bildung in Deutschland nur noch darum gehen solle, neue Eliten hervorzubringen, antwortete der Vertreter der SPD, dass es vielmehr darum gehen müsse, jeden der eigenen Begabung nach zu fördern, wodurch auch Leistungseliten entstehen könnten.

Der Vertreter von Die Grünen würde auf Eliten lieber verzichten und die der Vertreter der FDP betonte, dass nicht die Dauer, sondern die Qualität der Bildung an vorderster Stelle stehe.

Moderatorin Karolina Kubusch brachte mit aktuellem Bezug zum Klimagipfel in Cancun das Thema Umwelt in die Diskussion mit ein.

Der Vertreter von Die Linke, von SPD und von Die Grüne waren sich einig, dass man an dem Ausstieg aus der Atomkraft festhalten und sich verstärkt für die Förderung erneuerbarer Energien einsetzen müsse.

Man könne jedoch auch nicht darauf vertrauen, dass die Vereinbarungen über CO2-Zertifikate auf den Klimagipfeln das Klima zwangsläufig retten. Vielmehr sei es wichtig, zu lernen, anders zu wirtschaften als bisher. Der Vertreter der FDP stimmte dem zu, indem er hinzufügte, dass es in Zeiten des Klimawandels auch darum ginge, auf sein eigenes Verhalten zu achten.

Ein Schüler wies darauf hin, dass man unter diesem Gesichtspunkt auch in Marburg etwas ändern müsse, da viele Ampeln nachts nicht ausgeschaltet würden und daher viel Strom verbraucht würde und man in der Stadt mit dem Auto zu oft an roten Ampeln halten müsse, wodurch ein höherer Ausstoß von CO2 produziert würde.

Der Vertreter der CDU erwiderte, dass eine entsprechende Problemlösung schon in Planung sei und es bald „grüne Wellen“ in der Innenstadt geben solle.

Die Podiumsdiskussion wurde mit einem kleinen Ausblick auf die Kommunalwahlen beendet und jeder der fünf Jungpolitiker hatte noch einmal Gelegenheit, die für ihn wichtigsten Ziele und Programmpunkte seiner Partei zu deklarieren.

Wenn es auch aufgrund der Zeitbegrenzung auf zwei Schulstunden nicht möglich war, die Themen in einer größeren Diskussionsrunde zu vertiefen, so gelang es den beiden Moderatoren doch gut, mithilfe interessanter Frage- und Problemstellungen in die verschiedenen Themen einzutauchen, so dass die Zuhörer einen Überblick über die Einstellungen der Marburger Jungparteien erlangen konnten.



Europäische Union – Europawahl (2009)

Jugendaktionstag Europa


von Steffen Boßhammer


In Anbetracht der am 4. und 7. Juni 2009 stattfindenden Europawahl fand am Donnerstag, dem 19. März 2009, erstmalig ein Europatag am Gymnasium Philippinum statt, an dem die Schülerinnen und Schüler der Stufe 12 teilnahmen.

Der „Europatag an Schulen“ ist eine bundesweite Initiative, um junge Menschen intensiver für Europa und die damit verbundene Politik zu interessieren. Vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament bekommen solche Projekttage selbstverständlich zusätzlichen europäischen Rückenwind. So hat auch das Philippinum den Tag am 19. März als willkommenen Anlass gesehen, um die Schüler mit der europäischen Politik und den entsprechenden Institutionen, besonders aber dem Europäischen Parlament, vertraut zu machen. Diese Veranstaltung wird bundesweit von der Europäischen Kommission und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend möglich gemacht.


Organisiert werden diese Veranstaltungen durch die „Bürger Europas e.V.“.

Zu Beginn des Vormittages fanden sich die Schülerinnen und Schüler im Kultidrom ein, wo sie von Herrn Stein, dem Schulleiter, begrüßt wurden. Neben Vertretern der Bürger Europas e.V. fanden sich an diesem Tage auch der Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Herr Vaupel, und auch der SPD-Landtagsabgeordnete, Herr Spieß, am Philippinum ein.

Nach einer einleitenden Videoeinspielung unter dem Thema „Sag Europa deine Meinung“, in der es um die gemeinsame Gestaltung Europas ging, informierte Herr Spieß die Schülerinnen und Schüler über die Europapolitik in Hessen. Anschließend berichtete Herr Vaupel über die Einwirkung der europäischen Politik in Marburg. Interessanterweise, so ließ er verlauten, sei der geographische Mittelpunkt Europas vor der Osterweiterung nur wenige Kilometer von Marburg entfernt gewesen.

Anschließend konnten die Anwesenden in Bezugnahme auf die vorgestellten „Kurzreferate“ Fragen stellen oder eigene Meinungen äußern. Nach einer intensiven Diskussion, unter reger Beteiligung der Schüler, über Themen wie beispielsweise Sprache oder die Frage, ob Europa zu einem einheitlichen Staat zusammenwachsen solle beziehungsweise der Frage nach Bürgerbeteiligung in Form von Abstimmungen, wurde den Schülern ein weiteres „Highlight“ der Veranstaltung offenbart: eine Probewahl zum Europäischen Parlaments durch die anwesenden Schüler. Entscheiden musste man auf den ausgeteilten Stimmzetteln zwischen den Parteien CDU, SPD, DIE GRÜNEN, FDP, den LINKEN und den ANDEREN. Bevor jedoch die Stimmzettel in eine extra bereitgestellte Wahlurne geworfen wurden, gab es einen Wahlspot, der besonders auf Erstwähler ausgerichtet war. Die Bekanntgabe der Ergebnisse sollte am Spätvormittag in der Abschlussveranstaltung im Kultidrom stattfinden.

Nach einer kurzen Pause fanden sich die Schüler in vier verschiedenen Workshops ein.

Um die Schülerzahl besser bewältigen zu können, wurden die Schüler in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe besuchte unter Aufsicht eines Lehrers zwei verschiedene Workshops.

2er Musikkurse besuchten nur eine Veranstaltung, da sie sich nach der einleitenden Veranstaltung mit ihren Musiklehrern zurückzogen, um für die Abschlussveranstaltung eine kulturelle Darbietung einzustudieren.

In der ersten Arbeitsgruppe gab es ein Online Wissensspiel gegen eine andere Klasse aus Berlin, in welchem die Schüler ihr Wissen im Bereich Politik, Wirtschaft, Kultur und Jugend mit 12 Fragen in 2 Schwierigkeitsstufen überprüfen konnten. Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit der EU im Brennpunkt der Globalisierung. Wie auch der vorige Workshop wurde auch dieser von einem Mitglied der Bürger Europas e.V. geleitet. Diese Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den Grundlagen der EU (z.B. Gründung, Länder, Erweiterungsprozess). Ein weiterer Workshop informierte die Schüler über die anstehende Europawahl am 7. Juni diesen Jahres. Geleitet wurde dieser von Dr. Walter von der Philipps – Universität.

Eine weitere Veranstaltung, die von den Bürgern Europas geleitet wurde, war das European Online-Learning, in der den Schülern eine interaktive Jugendwebsite zum Thema Europäisches Parlament vorgestellt wurde.

Abschließend trafen sich alle Anwesenden im Kultidrom, wo es zu der Bekanntgabe der Wahlergebnisse kam. Von 69 abgegebenen Stimmen waren zwei ungültig. Die übrigen 67 teilten sich wie folgt auf:

„Wahlsieger“ der Probewahl waren mit 24 Stimmen DIE GRÜNEN. Dicht gefolgt von der SPD mit 22 Stimmen. Ein Siebtel aller Stimmen bekam die CDU, während die FDP und die ANDEREN 5 Stimmen erhielten. „Schlusslicht“ der Wahl waren die LINKEN mit einer Stimme.

Bevor es zu der Verabschiedung und einem kleinen Feedback kam, stellten die Schülerinnen und Schüler der Musikkurse ihre einstudierte kulturelle Darbietung vor: Die Europäische Nationalhymne, welche von den Schülerinnen und Schülern instrumentell und sängerisch präsentiert wurde.

Im Namen aller Schüler möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Verantwortlichen, besonders bei den organisierenden PoWi- Lehrern sowie allen anderen freiwilligen Helfern, aber auch für die Anwesenheit von Herrn Vaupel und Herrn Spieß bedanken. Der größte Dank gilt aber den Vertretern der Bürger Europas e.V., welche diesen Tag erst möglich gemacht haben.


Mehr direkte Demokratie wagen? (2008)

Podiumsdikussion mit Dr. Volker Mittendorf


von Vincent Nierwetberg


Am 14.05. bot sich den PoWi-Kursen der Jahrgangsstufe 12 unserer Schule die Gelegenheit, nach Art einer Podiumsdiskussion, organisiert von Dr. Rube-Vestweber und einigen Schülern aus seinem PoWi-LK, mit einem Experten, dem Politologen Dr. Volker Mittendorf von der Uni Wuppertal, die Vorzüge und die Problematik der direkten Demokratie eingehend zu erörtern.

Nach der offiziellen Begrüßung durch unseren Schulleiter und einen Schüler des PoWi-Lk eröffnete Dr. Mittendorf die Veranstaltung mit einer Präsentation, welche dazu beitrug, die Schüler zunächst grundlegend über das Gesprächsthema zu informieren.

Der Referent sprach von der attischen Demokratie, die als Ursprung der direkten oder der Demokratie überhaupt angesehen werden kann. Schon damals sei deutlich geworden, dass man eine Art Volksversammlung/Parlament benötigt, um eine Demokratie wirkungsvoll umsetzen zu können.

Weiter erfuhren die Schüler, die für eine Doppelstunde lang zusammengekommen waren, dass wesentliche Vorteile der direkten Demokratie darin liegen, dass sie die öffentliche Diskussion und das Interesse an Politik anregen kann, da die einzelnen Bürger ihre Souveränität direkter anwenden können. Außerdem sei so auch gewährleistet, dass Minderheiten stets in der Lage sind, durch die bereitstehenden Mittel der direkten Demokratie (auf Landes- und Kommunalebene: Bürgerbegehren und Bürgerentscheid) Kritik an politischen Entscheidungen zu äußern, die dann von der Gesellschaft auch beantwortet werden müsse. Grundlegend sei nämlich zu beachten, dass das Argument vieler Politiker „es gibt keine Alternative“ in den seltensten Fällen zutreffend sei. Vielmehr dürfe man das Volk als Souverän des Staates nicht soweit entmündigen, dass sich seine politische Einflussnahme nur noch durch Wahlen im Zeitraum von vier oder fünf Jahren äußert. Schließlich zeige sich die politische Hilflosigkeit und Frustration vieler Bürger ja heutzutage darin, dass Extremparteien wie die NPD, die DVU oder die Republikaner wieder vermehrt Stimmen sammeln könnten. Auch die gleichmäßige Verteilung von Macht auf alle Staatsbürger sei eine positive Auswirkung, die direkte Demokratie mit sich bringt.

Mittendorf schloss seinen Vortrag mit der Feststellung, dass in Bund und Ländern allerdings noch einiges geschehen müsse, um diese Vorzüge genießen zu können. Die Anforderungen, die erfüllt sein müssen, um die Elemente direkter Demokratie zu nutzen, seien in Deutschland und Hessen derzeit kaum zu erfüllen, was sich auch in der geringen Anzahl der Bürgerbegehren und Bürgerentscheide in der Geschichte der Kommunen und Ländern widerspiegele.

Bestens informiert begann daraufhin eine lebhafte Diskussionsrunde, in der jeder die Gelegenheit bekam, seine Fragen, Ideen und seine Kritik innerhalb von drei Gesprächsblöcken (Rolle des Bürgers/Kompetenzfrage, Auswirkungen der direkten Demokratie auf die Einstellung der Bürger zur Politik, Konkrete Umsetzung in Deutschland/Mischformen) offen zu äußern.

Dabei wurde z.B. erörtert, wie sinnvoll ein Bürgerbegehren gegen das Verbot von Abiparties in Marburg wäre oder ob der Bürger auch in Fragen der Finanz- und Haushaltspolitik direkten Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger haben sollte. Ebenso wurden viele Gefahren, die die direkte Demokratie mit sich bringt, erkannt und deutlich zum Gespräch gebracht.

Schließlich verließen die Schüler die alte Cafeteria mit dem Gefühl, als Ergänzung zu dem theoretisch ausgerichteten Unterrichtsgeschehen auch einmal an unmittelbaren Erfahrungen aus der Praxis teilgehabt zu haben.

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