Surfprojekt

Weitere Links zum Thema:

a) Videobeitrag zum Surfprojekt

b) Artikel 2 zum Surfprojekt


Ein voller Erfolg…

Eine Woche lang hatten Phille-Schüler erstmals die außergewöhnliche Möglichkeit, gemeinsam mit Schülern der Blista das Surfen zu erlernen. Eine ereignisreiche Woche wurde mit dem Erhalt eines Surfscheines gekrönt, vor allem aber mit der ganz besonderen Erfahrung des gemeinsamen Lernens in einer Gruppe von „Sehbehinderten“ und „Normalsehenden“. An einem Baggersee nahe Niederwald fand dieses besondere Projekt statt, das zu größten Teilen von der Blista finanziert wurde. Diese stellte auch die notwendige Ausrüstung zur Verfügung.

Der erste Tag einer häufig kalten und regnerischen Woche galt der Materialkunde und ersten Erfahrungen mit den Surfbrettern auf dem Wasser. Zu Beginn lernten wir 13 Schüler uns zunächst aber einmal kennen, tauschten Vorlieben und Interessen aus und wir Phille-Schüler erfuhren, dass die Blista-Schüler keineswegs blind, sondern stark seheingeschränkt waren. Damit wir „Normalsehenden“ uns besser in die spezielle Situation der Sehbehinderten einfühlen konnten, bildeten wir Paare aus je einem Phille- und einem Blista-Schüler, die bis zum Ende der Woche als Lernteam zusammen arbeiteten.

Gruppenfoto

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Nach diesem ersten Kennenlernen ging es gleich ans Eingemachte: Wir mussten die Segel aufriggen und erste Gleichgewichtsübungen mit dem Brett auf dem Wasser machen. Dabei wurde schnell klar, dass die Blista-Schüler keinerlei oder nur geringe Nachteile bei den Gleichgewichtsübungen auf den durchaus sehr wackeligen Brettern hatten. Dieser Eindruck bestätigte sich bei den Übungen auf einem Tandembrett: Hier stand das Schülerpaar gemeinsam mit einem Surflehrer auf einem Brett und übte den Umgang mit dem Rigg (d.h. Mast, Gabelbaum und Segel). Schnell wurde klar, wie strategisch Surfen ist. Bevor man überhaupt fahren kann, muss sich der Surfer Gedanken über die Windrichtung machen, um zu planen wie und in welchem Winkel das Segel zu halten ist. Bis wir in der Lage waren, dieses theoretische Wissen umzusetzen, bedurfte es einiger Zeit und vor allem eines guten Neoprenanzuges, der nach unzähligen Stürzen ins Wasser zumindest ein bisschen wärmte. Glücklicherweise war bei einem gemeinsamen Mittagessen für das leibliche Wohl bestens gesorgt, sodass wir uns von den Strapazen erholen konnten. Nach einer gemeinsamen Nachbesprechung und dem Zusammenräumen des Surfmateriales ging unser erster Surftag zu Ende. Ich bin sicher, wir fielen alle hundemüde ins Bett.

In den nächsten Tagen entwickelte sich eine Art Routine: Nach der morgendlichen Besprechung bauten wir zusammen mit den Blista-Schülern unsere Segel auf und brachten diese gemeinsam mit den Brettern ins Wasser. Allerdings waren wir nun nicht mehr zu zweit, sondern alleine auf dem Baggersee unterwegs. Unsere Erlebnisse tauschten wir aber immer bei einem gemeinsamen Mittagessen und einer Nachbesprechung aus. Keinem blieb die Erfahrung erspart, anfangs unzählige Male ins Wasser zu fallen, sich mühsam wieder auf das Brett zu hieven und unter großem Kraftaufwand das schwere Rigg wieder hinauf zu ziehen. Jedoch verbesserte sich unser Umgang mit dem Surfbrett „quasi über Nacht“, sodass wir am nächsten Morgen schon viel sicherer auf den Brettern stehen konnten und in der Lage waren, eigenständig zu surfen. Auch hier spielte es keine Rolle, ob wir Schüler vom Phille oder von der Blista waren, Frust und Freude erlebten wir gleichermaßen. Ein großes Lob gilt den betreuenden Lehrern, die uns mit jeder nur denkbaren Hilfe zur Seite standen.

In dem Maße wie wir selbstständig, d.h. alleine auf dem See surfen konnten, beschränkte sich das gemeinsame Erleben mit den Blista-Schülern auf den Erfahrungsaustausch z.B. beim gemütlichen Mittagessen. Jeder von uns hatte im Laufe der Woche seinen persönlichen „Tiefpunkt“, aber auch seine ganz besonderen Erfolgserlebnisse. Nach vier Surftagen waren wir gemeinsam in der Lage, eine Regatta zu veranstalten, die den krönenden Abschluss dieser außergewöhnlichen Kooperation bildete. Ebenfalls am letzten Tag bekamen wir alle die Möglichkeit, unser Surf-Wissen in einem Test auf die Probe zu stellen und die Woche mit dem Erhalt eines Surfscheines zu beenden.

Wie wertvoll die vielfältigen Erfahrungen dieser Woche für alle Teilnehmer waren, zeigte sich in einer gemeinsamen Schlussbesprechung. Einig waren wir uns darüber, dass lediglich Sonnenschein und ein bisschen Sommerwärme fehlten. Wir alle hoffen, dass dieses Kooperationsprojekt wiederholt werden kann und in Zukunft mehr Schüler und Schülerinnen der Blista und des Phille die Möglichkeit des gemeinsamen Lernens bekommen.

Jakob Kressin Q2

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