Certamen

Certamen Ciceronianum Arpinas
Zur offiziellen Homepage des WettbewerbsDas Certamen Ciceronianum Arpinas wird vom Liceo Tulliano, einem altsprachlichen staatlichen Gymnasium in Arpino, der Geburtsstadt Ciceros, ausgerichtet. Zu diesem Wettkampf werden Schüler aus Italien und allen anderen Ländern eingeladen, die sich im letzten Jahr des Erlernens der Alten Sprachen befinden. Sie müssen einen Text aus dem Werk Ciceros übersetzen und kommentieren.

Der Wettbewerb wird jedes Jahr im Mai veranstaltet. Er wurde 1980 von dem Direktor der Schule, Prof. Ugo Quadrini, ins Leben gerufen und erlangte rasch ein hohes internationales Renommee. Er steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Italien.

Das Gymnasium Philippinum seit seinem Bestehen mit großem Erfolg an diesem Wettbewerb teil.

Das SiegerfotoAls geradezu sensationell muss man das Abschneiden von Nele Noesselt im Jahr 2000 bewerten, die zusammen mit Hildegard Günzel (beide Jgst. 12) am XX Certamen Ciceronianum Arpinas teilgenommen hat. Im Konzert der 500 besten Lateiner/-innen Europas errang sie in der Geburtsstadt Ciceros mit ihrer kommentierten Übersetzung als erste Philippinerin und beste Nicht-Italienerin den phantastischen 3. Platz, der sie gleichzeitig zur (Lire-) Millionärin machte.

XXVI. Certamen Ciceronianum Arpinas 2008
Colosseum

„Isabella, was machst du an Pfingsten?“ – „Äh… Ich glaube… Nichts?“ – „Alles klar, du bist in Rom.“

Ah ja. Nun, warum nicht? Ich wusste zwar nicht, aus welchem Grund – aber wer widersetzt sich schon, wenn es um Rom geht?! Ich packte also, vollkommen ungläubig, in Gedanken schon einmal meinen Koff er, während ich erfuhr, dass der Reise ein Lateinwettbewerb zugrunde liegen sollte, der auch nicht eigentlich in Rom, sondern in Arpino, der in der Nähe gelegenen Geburtsstadt Ciceros, stattfinden würde. Es folgten Erleuchtung („Aah, darum geht’s also!“) und gleich darauf Panik („Waaas? ICH? Internationaler Lateinwettbewerb?!), doch nachdem ich zu dem Schluss gekommen war, dass es ja schließlich nicht nur erste Plätze geben kann und mich schon niemand umbringen würde, wenn ich ohne Platzierung nach Hause käme, gewann sofort wieder die Vorfreude die Oberhand („Ich fahre nach Rom, nach Rom, nach Rom!!!“), und ich packte munter weiter.

Die Planung der Anreise („Eigentlich fahren ja fast alle Deutschen mit dem Zug, aber ich fahre nicht mit dem Zug. Wir fl iegen.“) sowie die eines kurzen Romurlaubs („Ich werde versuchen, den Flug für einen Tag früher zu buchen, sodass wir noch ein wenig die Stadt genießen können.“) waren off ensichtlich schon in vollem Gange, sodass uns im Grunde nichts anderes übrig blieb, als alles den kompetenten Händen Herrn Kubuschs zu überlassen und zu warten. Uns, das heißt Christoph Schepp und mir, es dürfen nämlich von jeder Schule immer zwei Kandidaten teilnehmen.

Und so brachen wir dann auch eines schönen Tages gegen 4 Uhr morgens auf. Frisch und munter, versteht sich. Doch kaum in Rom angekommen, hatte uns die unvergleichliche Atmosphäre der Stadt bereits in ihren Bann gezogen – ein sonniges Glückgefühl, lächelnde Gelassenheit, sorglose Großzügigkeit, ewiger Optimismus und Ruhe; Energie und Tatendrang; Schnelligkeit ohne zu einem Scherz aufgelegte Italiener. Erwartungsvolle, gespannte, begeisterte Touristen (von denen wir uns ja eigentlich in nichts unterschieden, war es doch für uns alle das erste Mal in Rom). Zeitzeugen jeder Epoche, harmonisch nebeneinander. Alt und neu, erhalten, rekonstruiert oder fast nicht mehr existent und der Phantasie überlassen, die einem wie von selbst Bilder prächtiger Tempel, würdevoller Senatoren, fl orierender, beeindruckender Zivilisation liefert. Romantik. Sonne. Dutzende von Kirchtürmen. Lachende Geschäftigkeit. Die ewige Angst, überfahren zu werden. Cafés, Restaurants, wohin das Auge blickt, stets gefüllt. Buntes Treiben, Tag und Nacht. Verzweifl ung nur angesichts der schier unendlichen Menge von Möglichkeiten, seine Zeit zu füllen, und eben dieser Zeit, die viel zu schnell vergeht. So, wie man es sich eben vorstellt. Faszination. Rom.

Also verloren wir keine Zeit und überließen uns ganz den Eindrücken, die auf uns einströmten. Ließen, angefangen beim Forum Romanum, Senatoren vor unserem inneren Auge in die Kurie eilen, um die Geschicke eines Weltreiches zu lenken, sahen Cicero von der Rostra aus die Massen mitreißen und taten es, die Via Sacra entlangspazierend, Horaz gleich, seine berühmten Verse im Ohr. Erblickten Mark Aurel auf seinem Pferd und die die Zwillinge säugende Wölfi n, fanden uns Auge in Auge mit Kaisern und Philosophen wieder. Die verliebten Pärchen und sich sonnenden Studenten auf dem Gelände des Circus Maximus machten donnernden Pferdehufen Platz, Cäsar wurde ermordet und die Piazza Navona geflutet. Und nur ab und zu schweiften unsere Gedanken ab zu Mitschülern bzw. Kollegen, die im kleinen Marburg in der Schule saßen, um sogleich noch ein wenig vergnügter die Stadt zu betrachten.

Hatten wir auf diese Weise den ersten Tag auf eigene Faust verbracht, so bekamen wir am folgenden eine professionelle Führung geliefert – und zwar von Herrn Fiedler, der die Gruppe der Deutschen, die mit dem Zug kamen, bereits zum 26. Mal begleitete, auch selbst unzählige Male Rom besucht hatte und dementsprechend viel zu erzählen wusste.

Damit war die Zeit in Rom allerdings auch schon zu Ende, und am nächsten Morgen, nach einem frühen Erwachen in Fiuggi di Therme, realisierten wir plötzlich, dass der Wettbewerbstag bereits gekommen war. Nichtsdestotrotz war die Atmosphäre vollkommen entspannt und freundlich, von Konkurrenz war nichts zu spüren, einige Kontakte waren schon am Vorabend geknüpft worden und viele weitere folgten schnell. In Arpino, wo die Klausur geschrieben wurde, war schon alles gerichtet worden, und schließlich wurden die Blätter ausgeteilt. In fünf Zeitstunden sollte ein Ausschnitt aus der Verteidigungsrede Ciceros für Sextus Roscius, der des Vatermordes angeklagt war, übersetzt und in der eigenen Sprache frei kommentiert werden – angesichts der 16 vertretenen Nationalitäten durchaus auch eine Herausforderung für die Prüfer.

Wider alle Befürchtungen war es sowohl im Hinblick auf die Zeit, als auch auf den Schwierigkeitsgrad bequem zu schaff en und der Text, abgesehen von dem einen oder anderen auf den ersten Blick überraschenden inhaltlichen Sprung, auch gut zu verstehen, sodass fast jeder zufrieden abgab, mit dem guten Gefühl, die restliche Zeit vollkommen genießen zu können.

Cicero

Das Programm für die verbleibenden 1 ½ Tage war wundervoll italienisch – vordergründig gut gefüllt, bot es trotzdem genug Zeit zum Entspannen und einander Kennenlernen. Arpino, ein wirklich malerisches Dorf in den Bergen, wurde besichtigt, genauso wie das berühmte Kloster von Monte Cassino, wo wir vom Abt mit einer lateinischen Rede empfangen wurden, gefolgt vom eindrucksvollen Harfenspiel eines Mönchs.

Und schließlich war der mit „Musik im Platz“ angekündigte Abschlussabend da, was tatsächlich einfach nur bedeutete, dass einige Boxen auf dem mit zahlreichen europäischen Flaggen dekorierten Marktplatz aufgestellt wurden – was in Deutschland wohl zur Folge gehabt hätte, dass man sich ein wenig unterhalten hätte, aber auch eher nur mit Leuten, deren Bekanntschaft man schon gemacht hatte, ein paar Bier getrunken hätte und sich das Ganze wahrscheinlich ziemlich schnell verlaufen hätte. Aber – wir waren ja in Italien, und Süden und Südosten, also Balkan, waren stark vertreten. Folglich nahm der Abend wider Erwarten einen ganz anderen Verlauf, und schon nach kurzer Zeit war der gesamte Marktplatz mit tanzenden und lachenden Jugendlichen gefüllt, die verschiedenen Nationalitäten vermischten sich, jeder tanzte und unterhielt sich mit jedem; im Grunde gewann man erst jetzt einen Überblick über die 500 Schüler, die gekommen waren, und auch, wenn es ein wenig schade war, dass dies bereits der letzte Abend sein sollte, so blieb er wohl auch deswegen sicherlich jedem in schöner Erinnerung.

Am nächsten Morgen erwartete uns die Siegerehrung, und die Spannung stieg mit jeder weiteren schier endlos erscheinenden italienischen Rede, die aber problemlos zu verstehen waren, erst recht nach den einigen Tagen Gewöhnung an die italienische Aussprache. Schließlich war es soweit, und die – meist überraschten – Gewinner wurden aufgerufen, unter viel Jubel, Applaus und Freude für die eigene Nation. Erfreulicherweise war unter den 15 ersten Plätzen eine Vielfalt von verschiedenen Nationalitäten vertreten, und obwohl die besten letztendlich doch wieder obligatorisch von Italienern okkupiert wurden, schaff ten es auch 3 Deutsche unter die besten 10 – eine gute Bilanz.

Und so denke ich, dass wohl jeder mit einem Lächeln auf den Lippen zurückgefahren ist, um eine wirklich schöne Erfahrung und möglicherweise auch interessante Freundschaften reicher. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Kubusch für die Organisation und die nette Begleitung und bei der Schule dafür, dass sie uns die Teilnahme am Certamen Ciceronianum ermöglicht hat! Tja, Latein-LK hat eben doch Vorteile.

Isabella Joanna Lukasewitz, jetzt 13

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