Berlinfahrt 2016

Allgemein

Drei Berichte, die in den nächsten Tagen erscheinen werden, sollen Lust auf die Fahrt 2017 machen und Interessierte über die alljährliche Fahrt informieren.

1. Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

 Für den dritten und letzten Tag unserer Berlin-Kursfahrt war der Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und eine Besichtigung der ehemaligen Abhörstation am „Teufelsberg“ geplant.

Gegen 9:00 Uhr brachen wir endgültig aus unserem Hostel in Prenzlauer Berg auf, um die letzten beiden Etappen unseres Ausfluges anzutreten.

Eine halbe Stunde später erreichten wir mit dem Reisebus die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, inmitten des gleichnamigen Sperrgebiets zur Zeit der DDR. Auffallend waren die funktionalen und trist wirkenden Bauten, sowie die befestigte Gefängnismauer mit Tor, durch die wir wenig später auf den großen Gefängnishof traten.

Wir wurden in einen Filmvorführungssaal geleitet, in dem wir die nächsten 30 Minuten einen Dokumentarfilm über Berlin-Hohenschönhausen gezeigt bekamen, der die Dimensionen der Bespitzelung durch die Stasi und die systematische Folter in solchen Gefangenenanlagen erahnen ließ.

Noch unter dem Eindruck des Filmes stehend, begaben wir uns wieder in die Realität des Schulausfluges zurück. Pro Kurs stand jeweils ein Zeitzeuge oder historischer Guide zur Verfügung, der mit uns einen anderthalbstündigen Rundgang über das Gelände des Stasi-Gefängnisses machen würde.

Mischa Naue, 52, ein ehemaliger Häftling aus Hohenschönhausen stellte sich zunächst knapp vor und führte uns anschließend in das Verwaltungsgebäude der Anlage. Hier beschrieb er uns die Grundidee des Sozialismus, die Entstehung der DDR und auch die menschenverachtenden Methoden der Stasi, die er selbst nur zu gut kennen lernen musste.

Über den Hof ging es bis in den Keller des Zellentrakts, in dem sich die vollkommen schwarzen Gummizellen zur Isolierung von widerspenstigen Häftlingen befanden. Mehrere Male sei er unter starker körperlicher Misshandlung in eine solche Gummizelle verlegt worden. Jedes Mal mehrere Tage auf dem kalten Betonboden ausharrend, ohne Schlaf in ständiger Kälte und Dunkelheit.

Insgesamt 4 Monate dauerte seine Haft in Hohenschönhausen, danach verlegte man ihn für mehrere Jahre in ein noch strengeres Stasi-Gefängnis aus dem er schließlich in den Westen freigekauft werden konnte.

Bereits in der Schule sei er in der DDR als Andersdenkender aufgefallen. Im Alter von 14 Jahren begann er sich intensiv mit dem Zen-Buddhismus auseinanderzusetzen. Mit der wachsenden Rebellion gegen die sein Leben einschränkende Diktatur, plante er schließlich zusammen mit einem Freund die Flucht über die östlichen Nachbarstaaten in die Freiheit. Der Stasi gelang es, nach einem missglückten Fluchtversuch, Naue zuhause festzunehmen und in Hohenschönhausen zu inhaftieren. Haft und Folter in den folgenden Jahre veränderten sein Leben für immer.

Unsere Führung setzte sich jetzt durch den Zellentrakt fort. Erst allmählich wurde uns das Ausmaß der „menschenzersetzenden Maßnahmen“ der Stasi bewusst.

Die letzte Station in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen waren die nicht überdachten Außenzellen am Rand des Geländes, in denen die Häftlinge stundenlang bei Schnee, Nässe und Temperaturen um den Gefrierpunkt eingesperrt waren.

Gerade hier konnten wir erfahren, was es bedeutet haben muss in einem Staat wie der DDR als Staatsfeind bezeichnet zu werden.

Auf jeden von uns wirkten die anschaulichen Schilderungen des Zeitzeugen Mischa Naue stark nach und so herrschte nach Beendigung der Führung erst einmal Stille.

Nun bot sich uns die Möglichkeit, das von ihm verfasste Buch „Gefangen mit Buddha – Meine Rebellion im Stasi-Staat“ im Museums-Shop zu kaufen. Einige ließen sich das Buch eigens vom Autor signieren, bevor wir wieder in den Bus stiegen, um uns auf den Weg zur früheren Abhörstation am „Teufelsberg“ zu machen.

(F. Heckeler)

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