Berlinfahrt 2016 III

Allgemein

Der Teufelsberg

Am 04. Mai 2016, dem Tag der Abreise, waren die meisten Schüler bereits sehr erschöpft und erwarteten voller Vorfreude ihr Zuhause.

Da die Wenigsten die vorherigen Besichtigungen mit grenzenloser Euphorie im Gedächtnis behielten, schien die Aussicht auf zwei weitere Ausflüge -inmitten der Heimreise mit dem Bus- nicht verlockend.

Überraschenderweise sorgten jedoch gerade jene beiden letzten Ausflüge bei der Mehrheit der Schüler und bei mir für tatsächliche Begeisterung!

Die Führung eines Zeitzeugen durch das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen war nicht nur höchst informativ, sondern auch emotional ergreifend.

Die darauffolgende Besichtigung des Teufelsberges war für geschichts- und besonders für kunstinteressierte Schüler beeindruckend.

Als zweithöchster Berg Berlins trägt der Teufelsberg eine weitläufige Geschichte.

Das Gebiet um den heutigen Teufelsberg, ursprünglich ein von Sümpfen und Mooren durchzogener Ort, wurde trotz des sogenannten „Dauerwaldvertrages“ bis Ende 1972 mit den Trümmern Berlins, die infolge des Zweiten Weltkrieges entstanden waren, mit insgesamt 26.181.310 Kubikmetern Schutt aufgekippt.

Der Schuttberg -eigentlich Teil der britischen Besatzungszone- geriet schnell in das Blickfeld der Amerikanischen Alliierten, die es aufgrund von Erforschungen des Gebietes mit Antennenwagen für sinnvoll erachteten, diesen zu Spionagezwecken zu nutzen.

Sowohl die Amerikaner als auch die Briten installierten darauf verschiedene Antennen auf dem Teufelsberg. Mit den letzten Schuttablagerungen war dieser ausschließlich für Abhör- und Spionagetätigkeiten reserviert.

Bis 1989 hörten die westlichen Alliierten von dort aus den Funkverkehr des Warschauer Paktes, der DDR Behörden/Armeen, der UDSSR und ihrer Soldaten ab und planten sogar als feindlich eingestufte Signale zu stören. Dies taten sie mit vier Randomen, in denen sich Satellitenschüsseln drehten und von denen Funksignale ausgesendet wurden.

Die genauen Ergebnisse der Abhöraktivitäten werden allerdings erst nach 2020 mit den entsprechenden Archiven der Alliierten öffentlich.

Auch aufgrund der hohen Betriebskosten verkaufte das Land Berlin das Gelände in den 1990er Jahren schließlich, womit es privatisiert wurde.

1996 kaufte die Investorengemeinschaft Teufelsberg GbR das Gelände und plante dort ein großes Freizeitareal, dessen Bau jedoch durch einige Komplikationen und schließlich durch die 2005 von der Senatsverwaltung beschlossene Rechtsverordnung für Stadtentwicklung verhindert wurde, die private Bauvorhaben auf dem Teufelsberg unmöglich macht.

Nach dieser Verordnung zerstörten Diebstahl und Vandalismus die noch vorhandenen Anlagen des Teufelsberges.

Erst im Jahre 2010 machte der damalige Pächter das Gelände wieder für einen geregelten Besuchsbetrieb möglich. Darauf initiierte er dort die größte Graffiti-Galerie Deutschlands.

Seit 2015 wird das Gelände von einem neuen Pächter verwaltet und weiterentwickelt.

Die Besichtigung des Teufelsberges wurde von einem dort arbeitendem Künstler geführt.

Er zeigte uns das gesamte Gelände, dass erst einmal nicht sonderlich strukturiert wirkte.

Dies kann jedoch auch durchaus daran gelegen haben, dass sich dort nicht nur Graffitikünstler, sondern auch andere praktizierende Künstler auslebten. Darunter solche, die aus dem, was andere Menschen als Schrott bezeichnen würden, Skulpturen errichten.

Außerdem sind die Pächter sehr darauf erpicht, in die die Gebäude umgebende Natur möglichst nicht einzugreifen.

Bei der Führung bis in schwindelige Höhen begleiteten uns nicht nur historische Fakten, sondern

stets auch der von einem Berliner Szenekünstler entworfene Bär Tobo, der mit Sprüchen wie „A conclusian is simply where you stopped thinking“ oder „Man created god so he can win every argument“ unterhielt.

Zusätzlich zu Tobo dem Bären pflasterten noch zahlreiche andere Graffitis Wände, Böden und sogar Decken der Einrichtung. Für weitere Graffitis, die von Oldschool über Cartoon bis hin zu hoch realistischen Gemälden reichten, wurden außerdem Mauerwände in die verschiedenen Etagen gezogen.

Das Begehen des Teufelsberges erzeugte durch seine denkwürdige Geschichte aber kreative Gestaltung eine intensive Stimmung, die ich persönlich irgendwo zwischen düster und inspirierend einordne.

Der Teufelsberg war insgesamt ein sich lohnender Ausflug, deren Kreativität und Emotionalität ich noch einige Zeit im Gedächtnis behalten werde.

A. Arhold

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