Nur ein kleiner Gefallen

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Eine Kurzgeschichte aus der 7a

Ich bin ein Mädchen namens Marta und ich bin 16 Jahre alt. Ich hatte ein perfektes Leben: Ich lebte in Spanien mit meinen Eltern, meinen zwei Schwestern und meiner Abuela. Meine beste Freundin war Marisol. Mein fester Freund hieß Felipe und war 18 Jahre alt. Zu Zeiten der Corona Pandemie gab es eine Ausgangssperre, die besagte, dass man sich nicht mit Freunden treffen darf und generell das Rausgehen war verboten. Ich konnte natürlich trotzdem Kontakt halten durch z.B. die Sozialen Netzwerke, aber mir fehlten meine Freunde trotzdem. Felipe, der nur zwei Straßen weiter wohnte, vermisste ich sehr. Wenn ich mich rauswagen würde, würde ich von der Polizei geschnappt werden und eine Geldstrafe bekommen, die ich unmöglich bezahlen könnte, ohne dass es meine Eltern mitbekommen würden.

Es begann damit, dass mein Freund meinte: „Hey, wollen wir uns bei der Strandpromenade der la Cala del Moral treffen?“ Ich lehnte ab, denn ich hatte ein unwohles Gefühl dabei mich unter den Umständen mit jemanden zu treffen. Mir ging der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Natürlich wollte ich auch raus und mich mit ihm treffen, aber das Risiko war einfach zu groß, meine Abuela anzustecken. Er schrieb es mir immer wieder, bis ich nachgegeben hatte. Marisol sagte andauernd, dass ich es nicht tun sollte, denn dadurch könnte ich mich und andere Leute infizieren, also schrieb ich ihm und sagte: „Sorry, kann leider doch nicht kommen. Das ist mir alles zu riskant und stell dir vor, was passieren kann, wenn uns die Polizei oder meine Eltern erwischen. Ich hoffe du verstehst mich. Nach diesem ganzen Chaos können wir uns sicherlich treffen.“

Seine Antwort war nicht begeistert: „Ich dachte, du vertraust mir. Ich dachte, wir wären zusammen. Ich habe dich doch nur um ein Treffen gebeten!“ Ich habe mich schuldig gefühlt. Trotz allem sagte ich zu und ließ mich drauf ein. Meine Gedanken spielten verrückt und ich hatte viele Fragen: Wie soll ich überhaupt zur Strandpromenade kommen? Was passiert, wenn ich erwischt werde? Und was passiert, wenn ich meine Abuela anstecke oder jemand anderen? Er zwang mich zu etwas, was ich nicht wollte. Ich bat meine Freundin um Rat. Sie antwortete mir: „Warum lässt du dich auf sowas ein. Entscheide von dir aus, was du für dich am besten findest. Von mir aus würde ich es nicht tun. Überlege genau und nicht schnell!“

Ich entschied mich dazu, dass ich mich mit ihm traf. Also zog ich mir eine warme Jacke an und holte meinen Rucksack. Damit meine Eltern mich nicht bemerkten, bin ich um 23:00Uhr aus dem Haus geschlichen. Die Polizisten   hatten anscheinend einen Schichtwechsel, also hatte ich freie Bahn. Es war dunkel und gruselig. Ich hatte sehr große Angst. Treffpunkt war hinter meiner Lieblingseisdiele „Tentación“. Er war noch nicht da, was mir Zeit zum Nachdenken gab. Nach ungefähr zwei Minuten war er da. Wie ich ihn kannte, kam er mit seinen braun gelockten Haaren auf mich zu und gab mir einen Kuss. Er nahm mich in den Arm, was mir ein sicheres Gefühl gab.

Für eine Weile starrte ich ihn an. Er bemerkte, dass ich nervös war und flüsterte mir zu: „Freust du dich nicht, mich zu sehen? Warte, ich habe noch was für dich.“ Er holte eine kleine Box aus seinem Rucksack und fügte hinzu: „Hier, für dich. Öffne es! Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber ich wollte mich nur mal bei dir bedanken.“ Voller Vorfreude öffnete ich es. Es war eine silberne Kette mit einem „F“ für Felipe. Anschließend bedankte ich mich bei ihm und lächelte verlegen. Fünf Minuten später nahm ich meinen Rucksack und ich verabschiedete mich. Der Mond schien hell. Es war schon etwas kälter geworden, aber zum Glück hatte ich meine Jacke dabei, die mich warmhielt. Plötzlich hörte ich Schritte, die immer näher kamen. Schnell überlegend versteckte ich mich hinter einem Dornbusch, um den Geräuschen vorläufig zu entfliehen. Die Dornen stachen mir in den Finger und taten weh. Unter dem Dornbusch konnte man durch einen Schlitz gucken. Es waren zwei Polizisten. Ich hielt meinen Atem an. Beiden blieben stehen. Mein Herz blieb für einen Moment stehen und ich bemerkte, dass ich einen großen Fehler gemacht hatte. Der eine Polizist murmelte: „Ich dachte, ich hätte was gesehen, aber anscheinend doch nicht. Carlos, du und ich hohlen uns nach der Schicht einen Doughnut, aber mit richtig viel Schokolade.“ Kurz darauf gingen sie weiter und mir fiel ein Stein vom Herzen.

Nach zwei Minuten war ich zu Hause. Schleichend ging ich in mein Zimmer und legte mich müde in mein Bett. Morgens weckte meine Mamá mich und sagte: „Hola mi hija. Dormí bien?“ (Hallo meine Tochter. Gut geschlafen?). Am Frühstückstisch unterhielten wir uns über die aktuelle Lage, wie jeden Morgen. Ich erzählte, dass ich viele Aufgaben von der Schule hatte. Nachdem ich gegessen hatte, ging ich wieder in mein Zimmer und setzte mich an meinen Schreibtisch und bearbeitete meine Aufgaben. Die ganze Situation überforderte mich: mit der Schule und Felipe. Mein Handy klingelte. Es war Felipe. Felipe wollte sich noch einmal mit mir treffen.

Eine Woche später hatte ich mich schon dreimal mit ihm getroffen. Meine Abuela beschwerte sich über Halskratzen und ich ebenfalls. Eine Vorahnung hatte ich schon, woher ich es hatte, doch meinen Eltern konnte ich es nicht sagen. Der Zustand von meiner Abuela verschlechterte sich drastisch. Wir mussten sie ins Krankenhaus einliefern lassen. Ich hatte mich noch nie so schuldig gefühlt. Meine Gedanken wurden unkontrollierbar. Innerlich hatte ich mich schon von ihr verabschiedet, aber ich konnte es irgendwie trotzdem nicht glauben. Von einem auf anderen Moment holte ich mein Handy heraus und schrieb ihm: „Es tut mir leid, das jetzt zu sagen, aber ich mache Schluss. Du hast meine Familie und mich in Gefahr gebracht. Ich hätte gar nicht damit anfangen sollen, mich mit dir zu treffen! Wie habe ich nur so etwas gemacht, so etwas Unüberlegtes!“ Wir durften meine Abuela natürlich nicht besuchen, was für mich die ganze Sache schlimmer machte.

Nach zwei Wochen ging es ihr besser und sie durfte wieder nach Hause. Für mich war nun klar, dass ich mich nicht mehr mit ihm treffen sollte. Am nächsten Tag gingen meine Mamá und ich Lebensmittel einkaufen. Plötzlich hörte ich jemanden auf mich zukommen. Es war Felipe, der etwas in der Hand hatte. Ganz entziffern konnte ich nicht, was er in der Hand hielt, aber es sah spitz und lang aus. Mein ganzer Körper zuckte zusammen. Ich drehte mich aus Angst um und verspürte einen Stich, einen Stich in meinem Rücken. Wenige Augenblicke später fing ich an zu schreien. So laut hatte ich noch nie geschrien. Aus Schmerz fiel ich um und sah nur im Augenwinkel, wie sie Felipe festhielten und wegführten. Plötzlich sah ich nur schwarz. Ich hatte mein Bewusstsein verloren.

Ich sah ein helles Licht. War ich jetzt tod? Wo war ich? Ich wollte zu diesem Licht. Ich sah meine Mama als Geist neben mir. Sie sagte vertraulich und besorgt: „Du schaffst das! Komm zurück! Bleib bitte bei uns! Das Licht zog mich an wie ein Magnet. Ein Schub überfloss mich und ich wachte auf. Das helles Licht vom Krankenhaus blendete mich. Meine Mamá stand neben meinem Bett und weinte bitterlich. Um mich herum Ärzte, die versuchten mich zu wiederbeleben.

Ein Monat später konnte ich das Krankenhaus verlassen, aber ich musste trotzdem vorsichtig sein.

Jetzt habe ich keinen Kontakt mehr zu Felipe. Er sitzt jetzt im Gefängnis und kommt nicht mehr so schnell heraus. Ich führe jetzt wieder mein altes glückliches Leben ohne ihn und den Virus. Zum Glück!

Emilia Wenz

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