Die unterrichtsfreie Zeit

Allgemein

Eine Kurzgeschichte aus der 7a

Joel ist 14 Jahre alt, wohnt in Dortmund und geht in die 8. Klasse des

Goethe-Gymnasiums. Er ist ein verwöhntes Einzelkind, da seine Eltern sehr wohlhabend sind, und sie wohnen im besten Viertel in Dortmund. Ihr Haus steht in einer Allee umringt von beeindruckenden, alten Eichen. Das Haus ist riesig und modern. Seine Eltern sind, da sie beide Ärzte sind, selten zu Hause, und er kann sich tagsüber seinen Alltag so gestalten, wie er will. Den ganzen Tag fernsehen, am Computer oder Handy spielen und niemand sagt etwas. Einfach genial. Bis jetzt!

Seit in China das Corona-Virus ausgebrochen ist und nun auch Deutschland massiv betroffen ist, verändert sich alles. Zwar muss er seit einiger Zeit nicht mehr in die Schule gehen, aber auch seine Eltern sind im Homeoffice und er im Homeschooling. Somit sind sie den ganzen Tag gemeinsam in ihrem Haus. Das kann nicht gut gehen! Den ganzen Tag sind sie am Meckern: „Tu‘ dies, lass‘ das! Räum‘ dein Zimmer auf, mach‘ deine Hausaufgaben!“. Er ist unendlich genervt. Zudem hat er einen Berg an Aufgaben zu bewältigen, denn jeder Lehrer hat Arbeitsaufträge per Mail geschickt.

Normal macht Joel seine Hausaufgaben nie selbst. Er hat da so seine Tricks. Er lässt sich die Lösung entweder von Mitschülern per WhatsApp schicken oder überredet andere Schüler, sie für ihn zu machen. Jetzt haben die Eltern ein Auge drauf und haben ihm auch noch das Handy weggenommen. Joel überlegt verzweifelt: „Wie soll ich jetzt an die Aufgaben kommen? Die blöden Aufgaben mache ich ganz sicher nicht alleine.“ Seine Eltern zwingen ihn, nun gleichzeitig mit ihnen aufzustehen und zu frühstücken, obwohl er ja ausschlafen könnte, und sie meckern die ganze Zeit an ihm rum.

Joel ist genervt. Er schiebt die Aufgaben immer weiter vor sich her, aber langsam muss er sich mal um die Beschaffung der Aufgaben seine Gedanken machen. Das bemerkt seine Mutter nach einer Weile und geht zu ihm. Sie fragt ihn: „Musst du nicht langsam mal deine Aufgaben, die du aufbekommen hast, machen? Zeig‘ mir doch mal, was du bisher gemacht hast.“ Joel antwortet genervt: „Ja, aber ich habe keinen Bock darauf! Und außerdem ist das so VIEL!“ „Komm schon, ich helfe dir auch“, antwortet seine Mutter darauf. Joel will keine Hilfe und schon gar nicht diese Aufgaben erledigen. Nach vielen langen Diskussionen, Gezeter und unendlichen Gesprächen schafft er es, einen Deal mit seiner Mutter auszuhandeln. Er bekommt, wenn er es schafft, vor den eigentlichen Osterferien seine erledigten Aufgaben seiner Mutter vorzuzeigen, sein Handy wieder und darf sich einen neuen Gaming-Computer zu Ostern aussuchen.

Nach einer Weile merkt Joel, dass alles gar nicht so schlimm ist, und schon bald hat er eine Menge geschafft. Plötzlich stellt er fest, dass das ein supergutes Gefühl ist. Auf einmal findet Joel es auch gar nicht mehr so schlimm, etwas früher aufzustehen, denn dadurch kann er zusammen mit seinen Eltern mehr Zeit verbringen, was eigentlich sehr schön ist. Eines Morgens schaut er auf seine Liste: In den nächsten fünf Tagen muss er nur noch ein Gedicht für Deutsch analysieren, ein paar Texte in Geschichte lesen und dazu Aufgaben erledigen und zwei Arbeitsblätter in Politik machen. Er arbeitet immer in kleinen Abschnitten, macht Pausen und bittet sogar ab und an seinen Vater um Hilfe.

Doch plötzlich hat der Vater keine Zeit mehr für ihn, er verbringt selbst sehr, sehr viel Zeit im Arbeitszimmer im ersten Stock. Dort steht sein Computer, in dem er seine virtuellen Forschungen an Viren macht. Als Joel einmal eine kurze Pause des Vaters nutzt, um sich in das Zimmer zu schleichen, sieht er eine für ihn komplett unverständliche Formel. Schnell nimmt er die alte Kamera vom Vater und macht aus einer Intuition ein Foto von der Formel.

Schließlich hat Joel es dann doch noch geschafft, sogar noch zwei Tage vor dem Ende der Frist und den Osterferien – und am Ende auch ohne die Hilfe des Vaters. Er merkt, dass er ohne richtige Freunde und dem Handy ganz schön einsam ist und findet, dass er dafür jetzt noch viel mehr Zeit mit seinen Eltern verbringen und seine Freizeit genießen kann.

Joel hat zwei Erkenntnisse: „Eigentlich ist es schade, dass Mama und Papa so viel arbeiten müssen. Wie ich die anderen behandelt habe, war ganz schön fies. Ich werde mich bei ihnen entschuldigen!“

Mit diesen Erkenntnissen wachte er auf und die Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf: „Es war alles nur ein verrückter Traum! Das mit diesem Virus und mit den Hausaufgaben war alles nur ein Traum! Aber ab jetzt muss ich wirklich was ändern. Ich muss mich für alles, was ich davor gemacht habe entschuldigen.“ Nachdem er sich bei ein Erik und Ahmed entschuldigt hatte, wurden die drei beste Freunde. Sie verbrachten viel Zeit zusammen und auch die regelmäßigen Diskussionen mit seinen Eltern wurden weniger. An Wochenenden unternahmen sie jetzt wieder mehr und machten Ausflüge und Filmabende.

Ein paar Jahre später, als Joel diesen Traum schon fast vergessen hatte, passiert etwas Unheimliches.

Joel sitzt mit seinen Eltern im großen Wohnzimmer gemütlich vor dem Fernseher  und schaut Nachrichten. Der Nachrichtensprecher verkündet gerade: „Die Welt ist in Aufruhr, ein neues tödliches Corona-Virus breitet sich überall auf der Welt schnell aus!“ Viele Menschen erkranken schwer und es scheint eine dramatische Pandemie auf uns zu zu rollen. „Davon hatte ich doch geträumt, das kann doch gar nicht wirklich passieren“, denkt Joel und stellt den Fernseher lauter, um nichts zu verpassen! Er hört weiter aufmerksam zu: „Das Virus breitet sich überallhin aus, viele Menschen erkranken schwer und es gibt seit heute Morgen schon einige Todesfälle. Die Bundesregierung hat in einer Notkonferenz drastische Maßnahmen angeordnet. Überall werden die Schulen geschlossen, und alle Menschen werden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Es gebe eine Ausgangsbeschränkung, berichtet der Nachrichtensprecher weiter. Joel schaut seine Eltern entgeistert an und sagt entsetzt: „Das habe ich geträumt, und jetzt ist es wahr geworden sein! Warum ist das wahr geworden?“ „Was ist denn noch so in deinem Traum passiert, erzähl mal?“, sagt der Vater. Joel starrt plötzlich in die Leere  und sagt nichts mehr. Er lässt den Traum noch einmal in seinen Gedanken Revue passieren.

Plötzlich springt er auf und rennt, laut rufend: „Ich glaube, ich habe die Lösung!“, in das Arbeitszimmer des Vaters zu der Kamera und tatsächlich wie durch ein Wunder sind die Bilder, die er im Traum gemacht hatte, da. Sekunden später kommt Joel zurück und zeigt dem Vater die Formel, die er vom Bildschirm abfotografiert hatte. Im selben Moment wird der Vater sehr aufgeregt, denn er hatte seinen eigenen Forschungen vergessen, die er vor vielen Jahren mit dem ähnlichen Corona-Virus gemacht hatte. Schnell ruft er eine Videokonferenz mit Virologen aus aller Welt zusammen, zeigt seine Formel. Und die Hoffnung wächst, dass schnell ein Impfstoff entwickelt werden kann. Ein paar Wochen später wird Joel in den Nachrichten weltberühmt als der Junge, der die Menschen mithilfe eines Traumes gerettet hat.

Jona Schmidt

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