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Die Oberhessische Presse berichtete…

Vom Fluchthelfer zum Botschafter

Ehemaliger Diplomat stellte sich den Fragen von Schülerinnen und Schülern des Philippinums

Von Nadine Weigel

Marburg. So einen außergewöhnlichen Gesprächspartner trifft man in der Schule eher selten. Am Gymnasium Philippinum konnten Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klasse einen Mann mit besonderer Vita ins Kreuzverhör nehmen: Rüdiger Freiherr von Fritsch.

Die gut 100 Zuhörer, die mit Maske und Abstand im Schulhof saßen, störte dabei noch nicht mal der kurze, heftige Regenschauer, der für eine Unterbrechung der Podiumsdiskussion sorgte.

Der 67-jährige Diplomat im Ruhestand blickt auf eine lange Karriere im Auswärtigen Dienst zurück. Nach Jahren als politischer Referent an der deutschen Botschaft in Warschau sowie Referent für Presse- und Kulturangelegenheiten an der deutschen Botschaft in Nairobi war Fritsch Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes und letztlich von 2014 bis Juni 2019 deutscher Botschafter in Russland. Einer, der regelmäßig die mächtigsten Politiker der Welt getroffen hat. „Bereits als Jugendlicher ist mir wichtig gewesen zu verstehen, warum wir bestimmte Dinge tun“, erläuterte von Fritsch. Nichts anderes mache ein Diplomat. Wesentliches Element des diplomatischen Dienstes sei es, andere Menschen, andere Kulturen zu verstehen und in einem fremden Land Verständnis zu erzeugen für das eigene Land, so von Fritsch, der nach dem Abitur erst einmal ein Jahr mit dem Rucksack um die Welt gereist ist.

„Aber wie sind Sie vom Abiturienten zum Passfälscher geworden?“, wollte einer der Schüler wissen und griff damit etwas auf, was so gar nicht zur Vita des adeligen Freiherren zu passen scheint: Der damals 19-Jährige verhalf in einer abenteuerlichen Aktion seinem Cousin und dessen Freunden zur Flucht aus der DDR, fälschte Pässe und riskierte so eine Gefängnisstrafe. „Rückblickend würde ich es einordnen zwischen mutig und tollkühn. Aber ich musste einfach helfen und würde es auch wieder machen“, betonte von Fritsch, der in dem Buch „Die Sache mit Tom“ seine Fluchtgeschichte veröffentlicht hat.

In den gut zwei Stunden, in denen die Schülerinnen und Schüler dem ehemaligen Botschafter Fragen stellten, wurde deutlich, dass Rüdiger Freiherr von Fritsch ein Mann der Prinzipien ist. Rückblickend auf seine Laufbahn hätten auch die Menschen ihn am meisten beeindruckt, die trotz schwerster Bedingungen und drohender Strafen an ihren Überzeugungen festgehalten hätten. Er ermutigte Eltern und Pädagogen, Kinder und Jugendliche dahingehend zu fördern, dass sie feste Prinzipien entwickelten und dann nach diesen handelten. Den Deutschen attestierte er eine „Neigung zur moralischen Überheblichkeit“.

Das derzeitige Verhältnis zu Russland wertete der ehemalige Botschafter in Moskau als „schlecht“. Aufgabe der Diplomatie sei es jetzt, dafür zu sorgen, dass die Situation nicht schlimmer werde und beide Staaten im Dialog blieben. Seine Prognose für die Entwicklung Russlands: „Putin folgt auf Putin, egal wie er heißt.“

Quellenangabe: OP Marburg/Ostkreis vom 02.07.2021, Seite 5


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